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Postkarte aus dem Block 46 des KZ Buchenwald, geschrieben 28.4.1940

Postkarte 1940 aus dem Konzentrationslager Buchenwald
Postkarte 1940 aus dem Konzentrationslager Buchenwald


Schon der erste Eindruck hebt diese Postkarte aus dem Lager Buchenwald aus dem Gros der üblichen Konzentrationslagerschreiben heraus.
Würde man nicht die Absenderadresse lesen, so unterscheidet sie sich nicht von Postkarten, die normale Bürger zu dieser Zeit innerhalb des Deutschen Reichs verschickten.
Es wurde also kein Lagervordruck, sondern eine normale, handelsübliche Postkarte der Form 'C154 - 12.33' verwendet. Zwischen dem Nachrichtendatum und dem Poststempel liegt ein Tag, was es fast ausschließt, dass die Karte durch die vorgeschriebene Zensurstelle lief.
Geschrieben wurde die Karte von Franzek Martinek, Häftling 5645, aus dem Block 46/c des Konzentrationslagers. Dieser Block bildete zusammen mit Block 50 die Station, in denen medizinische Versuche an Menschen vorgenommen wurden.
Unter Lagerarzt Erwin Ding-Schuler und seinem Stellvertreter Waldemar Hoven, sowie der Assistenz des Kapo Artur Dietzsch wurden in Block 46 an Fleckfieber erkrankte KZ-Häftlinge aus allen Lagern reichsweit zusammengeführt und isoliert. Gesunde Häftlinge des KZs Buchenwald wurden dort hin verbracht und gezielt mit Fleckfieber infiziert.
Während in Block 50 verschiedene inhaftierte Wissenschaftler Impfstoffe gegen Fleckfieber entwickelten, wurden sie in Block 46 an diesbezüglich erkrankten Häftlingen erprobt.
Ziel der für die meisten Häftlinge tödlichen Versuche war die Herstellung eines Impfstoffes für die Wehrmacht, um deren Soldaten vor der noch in Russland verbreiteten Seuche zu schützen.
Block 46 war zugleich ein Ort des Lagerwiderstandes und der Konspiration, da sich SS Mannschaften, Offiziere und Ärzte aus Angst vor Ansteckung nicht in diesen Block trauten.
Einige der SS-Wachleute und Ärzte, so der medizinische Leiter Ding-Schuler selbst, kooperierten im Rahmen ihrer Möglichkeiten mit den Häftlingen des Blocks 46.
Man versteckte im Block 46 wichtige und zur Liquidation bestimmte Häftlinge, tauschte die Identitäten von Häftlingen mit Verstorbenen, aber sorgte auch dafür, das unliebsame Häftlinge in den Block eingeliefert wurden, um sie dort zu liquidieren.
Denkbar ist, dass Franzek Martinek die Postkarte über einen SS-Wachmann aus dem Lager schmuggelte und den offiziellen Weg so umging.
Eventuell war Franzek Martinek Funktionshäftling im Block 46.
Die Karte ist in fließendem und fehlerfreiem Deutsch geschrieben, was den Schluss nahe legt, dass er einer gebildeten Oberschicht angehörte.
Auf der Adressseite der Karte steht der handschriftliche Lagerordnungshinweis des Kartenschreibers 'Rekomandierte Privatbriefe und Mustersendungen sind nicht zulässig.'

Inhalt der Karte vom 28. April 1940/Poststempel 30. April 1940

Meine Liebsten!
Das Geld sowie das Paket angekommen. Den Brief
vom 9.4. erhalten. Ich bin gesund. Ich glaube, dass es jetzt
im Garten zu viel Arbeit gibt. Es vergeht besser die Zeit.
Es wird nicht lange dauern, und der Sommer ist wieder
da. Ich möchte gern meine Kakteen blühen sehen - beson-
ders die Phyllokakteen. Wie ich schon schrieb, es wäre
gut, wenn etwas ausgesät würde. Was macht Ihr, Kin-
der, fortwährend? Seid gesund und lernt fleissig, damit
wir Freude hätten! Mit Grüßen und Küssen
Papa

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