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profilm.de Zeitzeugenberichte



weitere Briefe aus KZs

Postkarte Konzentrationslager Auschwitz 2. Februar 1944
Brief Konzentrationslager Auschwitz 29. April 1944
Brief Konzentrationslager Auschwitz 27. August 1944
Brief Konzentrationslager Buchenwald 28. April 1940
Brief Konzentrationslager Buchenwald 1944
Brief Konzentrationslager Dachau 29. September 1939
Brief Konzentrationslager Dachau 30. August 1940
Brief Konzentrationslager Dachau 6. März 1943
Brief Konzentrationslager Dachau 12. Dezember 1943
Brief Konzentrationslager Dachau 2. Dezember 1944
Brief Konzentrationslager Oranienburg 18. Juli 1943

Brief aus dem KZ Dachau 29. Dezember 1944

Brief aus dem Konzentrationslager Dachau

Der Brief wurde am 29.Dezember 1944 von Karl Skof (geb. 5.02.1010) aus Domschale/Slovenien geschrieben. Er war zu dieser Zeit Häftling des Konzentrationslagers Dachau, aber im Arbeitskommando Pfersee bei Augsburg interniert. In diesem im Wald versteckten Lager, das vom 4.1944 bis zum 4.1945 bestand, wurden für die Messerschmitt-Werke Tragfläche für den Düsenjäger Me262 hergestellt.
Karl Skof hatte die Häftlingsnummer 57915.
Die bei geschlossenem Brief rechte untere Ecke ist von Mäusen abgefressen.

Aus den Konzentrationslagern durften nur Briefe versendet werden, die in gut leserlicher deutscher Sprache auf dem vorgesehenen Brief- oder Postkartenformular des Lagers geschrieben waren. Jeder Verstoß hiergegen führte nicht nur dazu, dass der Brief nicht weitergeleitet wurde, sondern eventuell auch zu Sanktionen. Da alle Briefe einer Zensur unterlagen, war es auf dem offiziellem Wege nicht möglich, über die wahren Zustände in den Lagern, über den eigenen Gesundheitszustand und die erfahrene Behandlung, erst Recht nicht über Mord, Tod, Demütigungen, Willkür, Menschenversuche, Hunger, Verletzungen und Krankheiten zu schreiben. Daran hielten sich die Lagerhäftlinge auch, denn sie wollten nicht den einzigen Kontakt nach außen riskieren, einerseits, da sie auf dringend notwendige Zuwendungen von außen hofften, andererseits aber auch, um Informationen über den Verbleib und die Lebensumstände der Famile und der Bekannten außerhalb des Lagers zu erhalten.
Und natürlich hofften sie aus dem Umstand, dass man von ihnen wusste, einen gewissen Schutz zu erlangen,
Nur wenn man die familiären Umstände der Gefangenen kennt, so bemerkt man unter Umständen, dass in Lagerbriefen trotz deren scheinbar banalen Inhalte durchaus geheime Mitteilungen versteckt sein können. Man bediente sich u.A. dem Geheimcode, in dem man Begebenheiten aufschrieb, die (nur) für den Empfänger erkennbar unwahr waren und so Rückschlüsse auf Erlebnis des Briefschreibers zuließen.
So konnte der gewaltsame Tod einer der Familie bekannten Person so umschrieben werden, in dem man z.B. schrieb:'Mit Erschütterung habe ich Eure Nachricht vom schrecklichen Unfall und dem Tod von Tante xxx erhalten.'
Da man zu Hause nichts von einer solchen Mitteilung wusste, wohl aber, dass die genannte Person mit ins KZ transportiert worden war, war der wahre Inhalt unschwer darin zu erkennen, dass diese Person im KZ auf schlimme Art und Weise einen unnatürlichen Tod erlitten hat.


Der Postverkehr mit den Lagern, unterlag, wie bereits erwähnt, strengen Regeln, die ich hier für das Lager Dachau dem Briefformular wörtlich entnehme:

Konzentrationslager
Dachau 3K


Folgende Anordnungen sind beim Schriftver-
kehr mit Gefangenen zu beachten:

1.) Jeder Schutzhaftgefangene darf im Monat
zwei Briefe oder zwei Karten von seinen An-
gehörigen empfangen und an sie absenden.
Die Briefe an die Gefangenen müssen gut
lesbar mit Tinte geschrieben sein und dür-
fen nur 15 Zeilen auf einer Seite enthalten.
Gestattet ist nur ein Briefbogen normaler
Größe. Briefumschläge müssen ungefüttert
sein. In einem Brief dürfen nur 5 Briefmarken
á 12 Pfg. beigelegt werden. Alles andere ist
verboten und unterliegt der Beschlagnahme.
Postkarten haben 10 Zeilen. Lichtbilder dür-
fen als Postkarten nicht verwendet werden.

2.) Geldsendungen auf Postanweisungen
sind gestattet, doch sind dabei genau Na-
men und Vornamen, Geburtsdatum und Ge-
fangenennummer anzugeben.

3.) Zeitungen sind gestattet, dürfen aber nur
durch die Poststelle des K.L. Dachau 3K be-
stellt werden.

4.) Pakete dürfen durch die Post in be-
schränktem Maße gesandt werden.

5.) Entlassungsgesuche aus der Schutzhaft an
die Lagerleitung sind zwecklos.

6.) Sprecherlaubnis und Besuche von Gefan-
genen im Konzentrations-Lager sind grund-
sätzlich nicht gestattet.

Alle Post, die diesen Anforderungen nicht
entspricht, wird vernichtet.

Der Lagerkommandant!


Inhalt des Briefes

Dachau 3KAugsburg Pfersee, den 29.12.1944

Lieber Alfons! Nach kurzer Zeit belästige ich Dich
wieder mit einem Brief. Bitte Dich herzl. den zweiten
Teil des Briefes je früher möglich nach Laibach zu senden.
Wie Du siehst, befinde ich mich nun anders und des-
wegen meine obige Bitte. Bitte noch wiederholt der
Malá meine Grüsse u. Küsse zu übermitteln - in
Gedanken bin ich immer bei Ihr. Noch eine Bitte-
und zwar sende mir - so bald möglich zwei
mittelgrosse Postsäcke zu schicken. Diese brauche
ich und mein Kamerad, da wir froh auf die
Arbeit gehen. Für das Gefallen danke Dir
herzlichst und versichere Dir alle Deine
....den zu erledigen. Herzliche Grüße von
.... danbaren Drago
.....e meiner Mutter!!

Mamma! Sende Dir viele Grüsse und Küsse, gut
gelaunt und froh schauend in die Zukunft. Trotz
dem dass Du meine Post zwar nicht in Ordnung bekomm-
st, brauchst keine Sorgen um mich zu haben! Bitte
Dich wiederholt gebe Acht auf Dich selbst, den
auch für Dich soviel ein schöneres und glücklichere
Leben kommen. Wie Du siehst befinde ich mich
nun anders, darum sende die Post und Pakete an die neue Adresse xxxxxxxxx
xxx (Anm.: durch Zensur gestrichen) Zwieback, Zucker, Marmelade,
Zigaretten, Seife, Lainenfasslappen und wenn möglich
auch Schwarzbeeren. Danke der fr. Mimi für den
Paket welchen in Ordnung erhalten habe, verm...
doch Malei auf die selbe Weise wie Judita...
Schreibt Mimi der Malei so grüss...
meinen Namen.

Denke immer an Sie. - J. Übermittle meinen Dank
fr. Sedej meinen Dank für das gesandte Paket.
Nun bitte ich noch, die Pakete mit kleineren
Gewicht und deshalb öfters zu senden. Es
gibt darum mehrere Gründe. Alle dies
freilich nur, wenn das der Rote Kreuz
gestattet.
Sonst geht mir hier ebenso gut wie in
Dachau, die Arbeit ist aber viel leichterer.
Recht viele Grüsse und Küsse allen Verwandten
und Bekannten, den Rupar, Sedej, Kopriree, Marinko
und anderen. Dir liebe Mamma sendet
ich viele Grüsse und Kusse Dein immer an
Dich denkende und dankbarer Drago!

Anmerkung der Website:
die Erklärung für die Postsäcke dürfte in dem Umstand liegen, dass er früh zur Arbeit gehen muss und die Postsäcke für die Verpflegung benötigt werden.
Das Wort 'Lainenfasslappen' soll Leinenfußlappen bedeuten, was bedeutet, dass er nur unzureichend mit Strümpfen versorgt ist, da mit solchen 'Binden' die Füße zum Schutz gegen Kälte umwickelt wurden.

ausgewählte Bücher über das Konzentrationslager Dachau





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