Brief von der Nordoststfront, geschrieben nach Bad Dürkheim 24.07.1944
Hauptmann Lauth hat die jüdischen Zwangsarbeiter bei einem KZ bei Simonsdorf abgeliefert und befindet sich auf dem Rückweg zu seiner Kompanie, die sich mittlerweile nach einem schweren Angriff russischen Truppen und Partisanen zurückgezogen hat, nicht ohne zuvor den gerade von jüdischen Zwangsarbeitern fertiggestellten Feldflugplatz zu sprengen und die in Nachbarschaft liegende Litauische Stadt Ponewjesch abzubrennen.

24.7.44


      Liebe Gretel!
      Gestern Sonntag fuhr ich
mit meinen Leuten von Königs-
berg ab. Ich schrieb dir vom Bahn-
steig eine Karte mit einem Gruß
von Katja. Sie ist auf den Horst
draußen u. es geht ihr soweit
ganz gut, bis auf das große
Heimweh, das ja alle die
Menschen des Ostens haben.
Ein paar Kleidchen hat sie
sich auch angeschafft & sieht
gut aus. Am liebsten wäre
sie mit uns, aber das konnte
ich bei den derzeitigen Ver-
hältnissen nicht verant-
worten. - Gestern abend
schon waren wir wieder auf

Litauischem Gebiet. Ich
hat da auch einen Trans-
port aus Ponewjesch u. er-
fuhr zum erstenmal Näheres
aus unserer alten Gegend.
Also meine Leute & die
der anderen Kompanien
lagen schwer im Kampf
mit den Russen. Es gab
viele Tote. Mit Flinten
gegen Panzer!! Ob meine
Leute sich nun noch
durchgeschlagen haben,
ist nicht bekannt, will
es aber doch hoffen. Dittma,
Emmerich, Kneip, Horz
waren mit dabei. Klippel
habe ich bei mir. Die haben
also allerhand erlebt, während
wir auf Judentransport
waren. Es ist zum heulen,

wenn ich daran denke, was
wir für eine Riesenarbeit
mit dem Flugplatz geleistet
haben & kaum ist er fer-
tig, musste ihn unsere
21te Komp. in die Luft
sprengen. Die Startbahn
war 2km lang, Beton
300m breit, riesige Ring-
straßen & Entwässerungen
dazu, alles in Moore-
lände.- Die Russen kamen
auf deutschen Autos an,
runter von den Wagen &
fielen über unsere Leute
her mit modernsten
Waffen. Kannst dir denken
wie's da zu geht. Dazu kamen
die Partisanen in Banden
von hunderten von schwer
bewaffneten Männern

Ponewjesch haben wir noch
angezündet, die ganze
Stadt hat gebrannt.
Als Antwort auf die
Plünderungen der Litauer.
Eine Saubande, die Litauer.
Denen wäre nur zu gönnen,
wenn sie mal wieder russisch
würden. Ein Volk, das
nichts zu seiner Verteidi-
gung tut & noch Par-
tisanen stellt, verdient
es nicht besser. Alles
ist auf diese Bande
geladen. Nur schade, daß
soviel Werte von uns schon
hier im Lande drin-
stecken. Ich kann dir
nicht alles schreiben, was
ich gerne möchte. Auf

alle Fälle, es ist ein Saustall
was hier im Osten vor sich
geht.- Schwamm drüber.
hoffen wir zu Gott, daß
der Russe zum Stehen
kommt.
      Wie gehts bei Euch,
liebes Kind? Beiliegende
Marken schicke Werner,
da kann er als mal
was essen, wenn er
Ausgang hat. Hatte sie
mir in Königsberg be-
sorgt. Viele Grüße an
ihn. Habe seine Adresse
nicht im Kopf. Ich
schreibe hier von Tauroggen
aus auf dem Bahnhof
      Eben wurde mir be-
kannt gegeben, daß
wir uns in Heidekrug,

zwischen Tilsit + Memel
melden müssen. Also
wieder zurück. Na, immer noch
besser wie vorne. Obwohl ich
gerne mal ein bissel mit
geknallt hätte. Vor allem
tut es mir leid, daß ich
bei dem Überfall auf
Ponewjesch nicht bei
meinem Rest Kdo. dort
war. Aber da bin ich nicht
schuld. Hoffe, daß ich
sie in Heidekrug wieder
finde. Es dürfte alles ver-
loren sein, was die Komp.
hatte. Mein gutes Gepäck
hatte ich vorsichtshalber
mitgenommen.
      Da die ganze Post von
dir an mich aus den
letzten 3 Wochen verloren

sein dürfte, mußt du
mir das Wichtigste noch-
mals kurz schreiben.
Von wegen der Päckchen (1-27)
mit Speck + Eier, Anzug
Üblichen, kleines Bild von
Cassegio u.s.w. Schreibe
mir auch, wie es Euch
allen geht, was Du machst,
wie der letzte Angriff auf
Lu war usw.
      Bald schreib ich Dir
wieder, damit du immer
im Bilde bist + du dir
keine unnötigen Sorgen
machst, mein liebes
Gretelchen. Und nun
noch viele Küße+Grüße

                      Dein Robert

Diesen Brief
werde ich erst auf
deutschen Boden ein-
werfen.
(Anm.: der Brief ist am 30.7.1944 abgestempelt)

© Horst Decker




     


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